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Vulnerabilität in der Bevölkerung

Vulnerabilität bedeutet Verwundbarkeit. Im Zusammenhang mit dem Klimawandel ist die Vulnerabilität ein Ausdruck dafür, wie weit die Gesellschaft von den Folgen des Klimawandels anfällig ist. Die Vulnerabilität ist um so höher, je stärker sich die für die Gesellschaft bedeutsamen Klimafaktoren sich ändern, je empfindlicher die Gesellschaft darauf reagiert und um so geringer, je besser sie sich an die Veränderungen anpassen kann. Das gilt auch für die einzelnen Menschen, die verschieden exponiert sein können, unterschiedlich empfindlich sind und deren Anpassungsfähigkeit ebenfalls sehr verschieden sein kann.

Die Menschheit hat sich als sehr anpassungsfähig an vorgefundene klimatische Bedingungen erwiesen. Mit technischen Möglichkeiten lassen sich viele der eigentlich gesundheitsrelevanten Klimafaktoren kompensieren. Einige Begleitumstände des Klimawandels werden jedoch die Vulnerabilität – allgemein und individuell – beeinflussen.

Die Anpassungsfähigkeit des Menschen ist besonders gut gegenüber erhöhten Temperaturen (über 25°- 30°C) entwickelt. Oberhalb dieses Temperaturbereichs lässt jedoch die körperliche und geistige Leistungsfähigkeit nach. Die arbeitende Bevölkerung ist zwar im Durchschnitt gesünder als der Durchschnitt der Gesamtbevölkerung, kann jedoch wegen ihrer Arbeit nur beschränkt den Witterungsumständen ausweichen.

Die Siedlungsformen, in denen die Menschen leben, bestimmen stark das örtliche Klima. In großstädtischen Verdichtungsgebieten werden höhere Durchschnittstemperaturen, stärker ausgeprägte Hitzephasen und geringere nächtliche Abkühlung zu beobachten sein als in ländlicher Umgebung. Bei alten und chronisch kranken Menschen kommt hinzu, dass die Anpassungsfähigkeit an die Umgebungstemperaturen eingeschränkt ist.

Die indirekten Folgen des Klimawandels manifestieren sich über Veränderungen in der Umwelt. Insekten und andere Gliederfüßer können sich bei wärmeren Umgebungstemperaturen dauerhaft ansiedeln und als Vektoren Infektionskrankheiten übertragen. Gefährdet sind überwiegend Personen, welche sich beruflich oder in der Freizeit im Freien aufhalten. Das gilt besonders für die von Zecken übertragenen Krankheiten. Stech- und Sandmücken suchen ihren Wirt aktiv auf, sind flugfähig und können so mehr potentielle Wirte erreichen. Ökologie und Biologie der Vektoren und damit die Verbreitung der von ihnen übertragenen Krankheitserreger stehen allerdings miteinander und mit der Umwelt in einer engen, äußerst komplexen Beziehung, welches verlässliche Voraussagen erschwert.

Eine weitere indirekte Auswirkung des Klimawandels ist die vermutete Zunahme von Pollenallergien bei Verlängerung der Vegetationsperiode und zur Verminderung der Frosttage. Wärme liebende Pflanzen können sich neu ansiedeln, z.B. die hier schon wachsende Ambrosie (Ambrosia artemisiifolia), die ein starkes allergenes Potential besitzt.

Aufenthalt im Freien ist mit erhöhter UV-Strahlen-Exposition verbunden. Inwieweit die UV Einstrahlung sich verändern wird, ist schwer abzusehen. Aber schon die höheren Durchschnittstemperaturen werden den Aufenthalt im Freien fördern und damit die Hautexposition gegenüber der UV-Strahlung erhöhen. Das damit verbundene Risiko für Hautkrebs wird wegen der langen Latenzzeiten jedoch unterschätzt.
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