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Baden Württemberg

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Allergien vom Soforttyp

Auf dem Boden einer Vorschädigung der Atemwege durch toxisch wirksame organische Stäube kommt es bei beruflichem Kontakt mit Tieren und Pflanzen nicht selten zu allergischen Erkrankungen wie der allergischen Bindehautentzündung, dem allergischen Schnupfen und zu allergischem Asthma. Ursache sind erworbene IgE-, seltener IgG-Antikörper, die sich an die Oberfläche von Mastzellen in Haut und Schleimhäuten anlagern. Bei Allergenkontakt reagieren Antigen und Antikörper auf der Mastzelloberfläche und die Zellen setzen Entzündungsstoffe frei. Symptome treten kurze Zeit nach Allergenexposition (z.B. Aufenthalt im Stall, Lager, Tierkontakt) auf , z. B. Rötung der Augenbindehaut, Tränen und Zuschwellen der Augen, Schnupfen, Niesen, Atemnot mit Giemen. Voraussetzung ist oft eine atopische Diathese, d.h. die Neigung zu Allergien durch IgE-Antikörper. Es ist allerdings aus der Literatur bekannt, daß Landwirte, wenn sie schon auf dem Bauernhof aufgewachsen sind, weniger stark als die Allgemeinbevölkerung an Atemwegsallergien leidet (Kuhstalleffekt). Dies könnte auch dadurch unterstützt werden, daß bei Exposition gegen Bioaerosole oft hohe IgG-Antikörper-Titer bei Arbeitnehmern beobachtet werden, wobei die IgG-Bildung die IgE-Bildung über Mediatoren hemmt.

Im Bereich der Hände kann es ebenfalls - meist auf dem Boden eines Abnutzungsekzems durch häufige Hautverunreinigung, häufiges Händewaschen oder Händedesinfektion und den Umgang mit hautschädigenden Substanzen - zu Barrierestörungen der Haut und nachfolgende Sensibilisierungen vom Soforttyp gegen Berufsstoffe kommen. Folgen sind Nesselfieber oder zu die ekzemähnliche Proteinkontaktdermatitis

Folgende Allergene spielen u.a. als Auslöser von Atemwegsallergien vom Typ I nach Coombs und Gell eine Rolle:

Tierarztpraxis

Tierhaare, Tierepithelien, Federn, Milben, Vorratsmilben, Latexhandschuhe

Fleischbeschau Tierhaare, Tierepithelien, Federn, Latexhandschuhe, Pepsin, Fleisch

Tierzucht

Tierhaare, Tierepithelien, Federn, Milben, Vorratsmilben, Futtermittelbestandteile, Heu, Stroh, Schimmelpilze, Pollen, Zuckmücken, Soja

Pflanzenzucht

Milben, Vorratsmilben, Stroh, Schimmelpilze, Pollen, Bestandteile von Pflanzen, meist von Asteraceae, Pilzsporen, Getreidestaub

Forstwirtschaft

Pollen, Heu, Futtermittelbestandteile

Berufsallergene werden mit Schuhen, Berufskleidung oder über die Haare in den Privatbereich verschleppt (z.B. Wohnbereich, Bett, Küche). Dort wirken sie auch außerhalb der Arbeitszeit auf die Arbeitnehmer ein. Durch Einrichten einer Schleuse mit Kleider- und Schuhwechsel, Tragen von Handschuhen bei Arbeiten mit Kontaminationsgefahr und Tragen einer Kopfbedeckung bei der Arbeit kann diese Verschleppung und die daraus resultierende Allergiegefahr vermindert werden.

Seltener tritt bei Landwirten eine allergische Alveolitis auf. Es handelt sich um eine Atemwegsallergie (Typ III und IV nach Coombs und Gell). Die Krankheit äußert sich zunächst wie eine fieberhafte Atemwegserkrankung mit Atemnot, die etwa 4 bis 8 Stunden nach Beginn einer ausgeprägten Aerosolexposition entsteht und bei Ende der Exposition von selber ausheilt. Man sieht im Rötgenbild eine  interstitielle Pneumonie. IgG-Antikörper sind erhöht. Präzipitierende Antikörper gegen Schimmelpilze und thermophile Aktinomyceten, aber auch gegen Proteine werden nachgewiesen. Bei längerer Weiterarbeit unter ungünstigen Bedingungen kann es mit der Zeit zu einer Lungenfibrose und Rechtsherzinsuffizienz kommen.

Staubreduzierende Maßnahmen und persönlicher Atemschutz (P2) können das Auftreten solcher Erkrankungen verhindern.

Bei Verdacht auf Berufsallergien sollte man den Hausarzt oder einen allergologisch versierten Arzt (Facharzt für Hautkrankheiten, Facharzt für Hals-Nasen-Ohren- Krankheiten, Facharzt für Pulmonologie) mit der Zusatzbezeichnung Allergologie aufsuchen und ihm die Symptome und den Zusammenhang mit dem Beruf schildern. Mittels Allergietests kann festgestellt werden, wogegen man allergisch ist. In Einzelfällen kann die Allergie abgebaut werden (Hyposensibilisierungsbehandlung). Ansonsten kann man durch Meiden des Allergenkontaktes, u. U. auch durch geeigneten Atemschutz und eine Behandlung der Erkrankung in vielen Fällen ein Verbleiben im Beruf erreichen. In jedem Fall sollte bei Berufsallergien eine Berufskrankheitsmeldung an die zuständige Berufsgenossenschaft und den Staatlichen Gewerbearzt erstellt werden.

Stand 8/2009