Konzeption und Methodik

Die Beobachtungsgesundheitsämter führen regelmäßig Querschnittsuntersuchungen (Surveys) durch, die Informationen über die räumliche und zeitliche Verteilung von gesundheitlichen Belastungen, den Gesundheitszustand und der Wohnsituation liefern. Die Surveys werden jährlich bei Kindern in ausgewählten Schulen der einzelnen Gesundheitsamtsbezirke durchgeführt. Nach Möglichkeit werden die Daten an den selben Gesundheitsämtern erhoben, um verschiedene Jahre miteinander vergleichen zu können. Als Kollektivgröße wird in jedem Bezirk 100 bis 150 Kinder angestrebt. Grundsätzlich werden alle Kinder der vierten Jahrgangstufe an den ausgewählten Schulen im Sinne einer Vollerhebung zur Teilnahme an der Untersuchung eingeladen. Die Teilnahme ist freiwillig und alle Beteiligten werden ausführlich über das Vorgehen unterrichtet. Die einzelnen Surveys umfassen verschiedene Themenfelder, die gemäß aktueller Erfordernisse modifiziert werden können.
Das Landesgesundheitsamt legt in Abstimmung mit dem Sozialministerium und einem wissenschaftlichen Beirat für jeden Untersuchungszeitraum fest, welche Schwerpunkte gesetzt werden und welche Umwelteinflüsse näher betrachtet werden sollen. Mit welcher Methode Schadstoffe untersucht und in welchem Körpermedium, etwa in Blut oder Urin, die Belastungen gemessen werden, richtet sich unter anderem nach den Empfehlungen der Human-Biomonitoring-Kommission des Umweltbundesamtes.
Wesentlicher Bestandteil der Untersuchungen ist der Fragebogen "Gesundheit, Umwelt, Ernährung und Wohnen". Der Fragebogen wird von den Eltern ausgefüllt und soll grundlegende Informationen zu Umgebungseinflüssen, zur Häufigkeit von Atemwegserkrankungen und Allergien und zur Wohnsituation der Kinder liefern. Durch die vergleichende Auswertung über mehrere Jahre hinweg kann beurteilt werden, welche Einflussfaktoren sich ändern und welche gleich bleiben. Indem der Gesundheitszustand der Kinder zu diesen äußeren Faktoren in Beziehung gesetzt wird, kann die Bedeutung dieser Faktoren für die Gesundheit beschrieben werden.
Einige Fragestellungen erarbeitet das Landesgesundheitsamt in separaten Studien in Kooperation mit den Beobachtungsgesundheitsämtern. Das können spezielle Fragestellungen aus der Umweltmedizin und Umwelthygiene sein, die ein Studiendesign erfordern, das nicht dem der Surveys entspricht. So wurden für ein Wirkungsmonitoring der Belastung mit radioaktiven Cäsium statt Kindern Forstbeamte in Abhängigkeit der Häufigkeit ihres Wildverzehrs untersucht. Die Ergebnisse der Querschnitts-Untersuchungen werden in einer eigenen Berichtsreihe veröffentlicht. Die gesonderten Studien werden in ähnlichem Layout separat publiziert. Die Berichte sind auch als PDF-Dateien abrufbar. Sie fließen in die Gesundheitsberichte des Landes ein und stellen eine Grundlage für gesundheitspolitische Entscheidungen dar.
Beispiele gesonderter Studien sind:
- Feinstaubbelastungen in Schulen (2006 - 2008)
- Stresswirkung von nächtlichem Umgebungslärm bei Kindern in unterschiedlich lärmbelasteten Wohngegenden (2006)
- Untersuchungen bei Forstbediensteten zur Inkorporation von Cäsium 137 (1994 und 2005)
- Untersuchungen zur standardisierten Bestimmung von Hautpigmentmalen bei Kindern (2003/04)
- Längsschnittuntersuchung zur Lungenentwicklung von Schülern (Kohortenstudie 1996 - 2002)
- Untersuchungen zur Belastung der Muttermilch mit chlororganischen Verbindungen (2001/2002)
- Feinstaubbelastungen und deren gesundheitliche Wirkungen bei Kindern (2001/2002)
- Untersuchung zum Zusammenhang zwischen biologischen Innenraumbelastungen und Atemwegserkrankungen bzw. Allergien (1997/98 und 1999/2000)
- Vergleichende Untersuchung von Quecksilber im Blut, Urin und Speichel (1997/1998)
- Untersuchung der Lungenfunktion von Kindern in Abhängigkeit von Ozon und anderen Luftverunreinigungen bei aktiver Bewegung im Freien (1993)