Mobbing am Arbeitsplatz
- Handelt es sich bei einem Konflikt um Mobbing, sind die Folgen massiv
- Auch für ein Unternehmen hat Mobbing einschneidende wirtschaftliche Folgen
- Beobachtbare Kriterien für einen Mobbing-Prozess sind
- Mobbing kann unter folgenden Rahmenbedingungen auftreten
- Was ist zu tun?
Wenn dieses Stichwort fällt, denkt man gleich an Konflikte unter den Mitarbeitern. Aber nicht jeder Konflikt ist gleich Mobbing. Konflikte am Arbeitsplatz gehören zum ganz normalen Alltag. Wo immer Menschen zusammenarbeiten, kommt es natürlich auch zu Konflikten. So sind gerade dann, wenn kreative und erfolgreiche Wege gegangen werden sollen, Konflikte unumgänglich. Nur im Wettstreit der Ideen, in der Diskussion der Alternativen für die optimale Lösung, kann sich Innovation entwickeln und ihr kreatives Potential entfalten.
Leider geht es in diesem Wettkampf am Arbeitsplatz ähnlich wie im Sport nicht immer fair und sportlich zu. So lassen sich immer wieder unfaire Attacken beobachten, sei es, dass Einzelne unter der Gürtellinie angegriffen werden, oder dass auf Fehler gelauert wird, nur um eine Person zu demütigen, oder aber dass absichtlich Fehler oder Pannen organisiert werden, um einem möglichen Konkurrenten im Betrieb zu schaden.
Das Problem dabei ist, dass ein solches "Wettkampfverhalten" in der Regel nicht zur Konfliktlösung beiträgt, sondern im Gegenteil Konflikte verstärkt und konstruktive Lösungen unmöglich macht. Denn dabei entwickelt sich oftmals eine destruktive Dynamik.
Unfaire Attacken sind in jedem Falle eine enorme psychische Belastung für die angegriffene Person. Darunter leidet zum einen deren Leistungsfähigkeit. Da oftmals gerade Leistungsträger unfair angegriffen werden, haben solche Leistungseinbrüche nicht zu unterschätzende wirtschaftliche Folgen.
Zum andern konzentriert sich die Energie der Beschäftigten einer Abteilung, in der Konflikte auf diese Art ausgetragen werden, mehr und mehr auf die innerbetrieblichen Kämpfe, statt auf ihre betrieblichen Aufgaben und das Betriebsergebnis. Das absichtliche Organisieren von Pannen und Fehlern als ein immer wieder auftretender Teil der rivalisierenden Auseinandersetzung liegt sicher nicht im Interesse des Unternehmens.
Wenn solche unfairen Verhaltensweisen systematisch auftreten, spricht man von "Mobbing".
Der Arbeitspsychologe und Mobbingforscher Prof. Dr. Dieter Zapf definiert diesen Begriff so:
"Mobbing beinhaltet, dass jemand am Arbeitsplatz von Kollegen/innen, Vorgesetzten oder Untergebenen schikaniert, belästigt, drangsaliert, beleidigt, ausgegrenzt oder beispielsweise mit kränkenden Arbeitsaufgaben bedacht wird und der oder die Mobbingbetroffene unterlegen ist. Wenn man etwas als Mobbing bezeichnen möchte, dann muss dies häufig und wiederholt auftreten und sich über einen längeren Zeitraum erstrecken. Es handelt sich nicht um Mobbing bei einmaligen Vorfällen. Es handelt sich auch nicht um Mobbing, wenn zwei etwa gleich starke Parteien in Konflikt geraten."
Aus der Sicht des Juristen grenzt Dr. Martin Wolmerath den Begriff "Mobbing" so ein:
"Mobbing ist ein Geschehensprozess in der Arbeitswelt, in dem destruktive Handlungen unterschiedlichster Art wiederholt und über einen längeren Zeitraum gegen Einzelne vorgenommen werden, welche von den Betroffenen als eine Beeinträchtigung und Verletzung ihrer Person empfunden werden und dessen ungebremster Verlauf für die Betroffenen grundsätzlich dazu führt, dass ihre psychische Befindlichkeit und Gesundheit zunehmend beeinträchtigt werden, ihre Isolation und Ausgrenzung am Arbeitsplatz zunehmen, dagegen die Chancen auf eine zufriedenstellende Lösung schwinden und der regelmäßig mit dem Verlust ihres bisherigen beruflichen Wirkungsbereichs endet."
Zu unterscheiden ist zwischen verdecktem und offenem Konflikt, ebenso zwischen direkten und indirekten Formen des Mobbings.
Handelt es sich bei einem Konflikt um Mobbing, sind die Folgen massiv
Für die angegriffenen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind das zunächst gesundheitliche Belastungen, wie z.B.[3]: Aufmerksamkeits- und Konzentrationsprobleme, Gedächtnisstörungen, Selbstzweifel, Selbstunsicherheit, Depressionen, Antriebslosigkeit, Weinkrämpfe, Gefühle der Verzweiflung, Selbsttötungsgedanken, paranoide Zustände, Verfolgungswahn, Übersensibilität, gereizte, aggressive Stimmungen, Alpträume, die Verwendung von Medikamenten, Alkohol und Drogen als Versuch, die Belastung zu bewältigen. Dazu kommen die sozialen Folgen, wie die Isolierung am Arbeitsplatz, Ausgrenzung "innere Kündigung" und bei ungebremstem Verlauf der Verlust des Arbeitsplatzes mit allen Konsequenzen.

Auch für ein Unternehmen hat Mobbing einschneidende wirtschaftliche Folgen
Die Arbeitseffizienz sinkt, die Energie wird in den Kampf gegeneinander investiert und nicht in die Arbeit, Fehler werden absichtlich organisiert, und/oder Arbeitsabläufe und das Arbeitsergebnis leiden. Es kommt zu krankheitsbedingten Fehlzeiten, einer höheren Fluktuation, Kosten durch Rechtstreitigkeiten und zu einem schlechten Betriebsklima mit unmotivierten und wenig leistungsbereiten und kooperations- und kommunikationsbereiten Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, die sich aus dem Wege gehen oder Gruppen um die jeweiligen Kontrahenten bilden.
Laut Mobbingreport der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin wurde etwa jede neunte Person im erwerbsfähigen Alter schon mindestens einmal im Verlauf ihres Berufslebens gemobbt. Es handelt sich also hier nicht um ein Randphänomen, sondern um eine nicht zu unterschätzende Belastung von Betriebsabläufen und der Arbeitszufriedenheit.
Beobachtbare Kriterien für einen Mobbing-Prozess sind
- Mobbing ist eine kollektive Form von Aggression und Machtmissbrauch, d.h. es sind immer mehrere Mitarbeiter/Führungskräfte beteiligt, deren Verhalten sich gegen Einzelne richtet.
- Mobbing ist wiederholter, systematischer Missbrauch einer formellen oder informellen sozialen Machtposition.
- Dem Mobbingprozess kann sich auf Dauer kein Mitglied einer Gruppe entziehen, d.h. es gibt keine Zuschauerrolle. Insofern sind alle, die in einer Einrichtung, Gruppe usw. mit einem beginnenden Mobbing konfrontiert werden gezwungen, dazu Stellung zu beziehen.
- Beschäftigte, die sonst erfolgreich unterstützen und helfen, machen die Erfahrung, dass es in der Mobbingsituation nicht gelingt, die Aggression des/der Täter zu stoppen. Damit steigt die Wahrscheinlichkeit, dass auch ansonsten kooperative Mitarbeiter sich gegen das Opfer wenden und es als Folge ablehnen.
Mobbing kann unter folgenden Rahmenbedingungen auftreten
- Es tritt in starren hierarchischen Systemen sowohl als auch in betont flachen Hierachien auf, d.h. bevorzugt in Systemen, in denen formelle und informelle Machtstrukturen nicht übereinstimmen.
- Die Mitglieder dieser Systeme können ihre Mitgliedschaft nicht einfach und einseitig aufkündigen oder aussetzen, ohne gravierende persönliche Nachteile in Kauf zu nehmen. Sie können nicht einfach austreten, sich zurückziehen usw. Die Fluktuation ist erschwert.
- Unklare Zuständigkeiten und Aufgabenbereiche und mangelnde Kommunikationskultur und Transparenz
- Dauernde deutliche Unter- oder Überforderung
Was ist zu tun?
Als Betroffener
- Wenden Sie sich frühzeitig an den Vorgesetzten der/des Mobber(s)!
- Dokumentieren Sie die Vorkommnisse in einem Tagebuch und informieren Sie Ihre Personalvertretung (Betriebs-, Personalrat bzw. der MAV)!
- Suchen Sie eine Beratungsstelle auf!
- Setzen Sie Ihren Hausarzt unbedingt über Vorkommnisse im Betrieb in Kenntnis!
- Eine Kündigung ist erst die allerletzte Lösung, wenn "wirklich nichts mehr geht".
Als Vorgesetzter/ Unternehmer
Die beste Maßnahme ist, es gar nicht zu "Mobbing" kommen zu lassen, sondern bereits im Vorfeld aktiv zu werden, d. h. für eine offene und konstruktive Konfliktkultur im Unternehmen zu sorgen.
Dazu gehört die Qualifizierung der Führungskräfte in Konfliktmanagement, Konfliktmoderation und Kommunikation, damit mit Konflikten kreativ und produktiv umgegangen werden kann. Informationen finden Sie auf der Homepage der Fairness-Stiftung.
Auf auffällige Fluktuations- oder Fehlzeitenquoten, unerklärliche und plötzlich auftretende Qualitätseinbrüche ist zu achten, denn sie können Indizien für das Vorliegen destruktiver Konflikte mit der Folge einer Verschlechterung des Arbeitsklimas und des kontinuierlichen Sinkens der Arbeitsleistung sein. Hier besteht Handlungsbedarf. Unterstützung bieten hier:
Im Falle von ausgeprägtem Mobbing ist eine Unterstützung durch neutrale Dritte dringend zu empfehlen, weil die Täter ihren hohen sozialen Einfluss, der zugleich Definitionsmacht oder Gestaltungsmacht über die sozialen Normen des Betriebs bedeuten kann, nicht freiwillig aufgeben. Deshalb sind alle konsequenten Strategien sinnvoll, welche den Tätern den Boden unter den Füßen wegnehmen und ihren sozialen Status schwächen.
In der angefügten
Datenbank können Sie Berater finden.
Weiterführende Informationen
- Konfliktlösung am Arbeitsplatz: Informationsbroschüre des Landes Nordrhein-Westfalen
- Mobbinghotline Baden-Württemberg