Baden-Württemberg

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ÖGD - Öffentlicher Gesundheitsdienst

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Radon als Schadstoff und Heilmittel

Radon ist ein natürlich vorkommendes radioaktives Edelgas. Es entsteht in den Zerfallsreihen von Uran-238 zu Radon 222 (Halbwertszeit/HWZ 3,82 Tage), Uran-235 zu Radon-219 (HWZ 3,96 Sekunden) und Thorium-232 zu Radon 220 (HWZ 55,6 Sekunden). Wegen der kurzen HWZ spielen die Isotope Rn-219 und Rn-220 für den Themenzusammenhang keine Rolle. Radon-222 zerfällt unter Aussendung von gamma-Strahlung und alpha-Teilchen über kurzlebige Folgeprodukte in Pb-210 (beta-Strahler, HWZ 22,3 Jahre). Die Hauptmenge des Radon kommt aus dem Boden, überall dort, wo Radium in Gestein oder Erdreich vorhanden ist.
Je nach Wohnort, Ernährungs- und Lebensgewohnheiten schwankt der Radonanteil an der natürlichen Strahlenexposition in Deutschland zwischen 1 - 10 mSv/a und beträgt im Mittel 2,4 mSv/a.

  • Radon und seine Zerfallsprodukte lassen sich in Gebäuden in unterschiedlichen, gegenüber der Außenluft erhöhten, Konzentrationen zwischen einigen Bq/m3 und mehreren Tausend Bq/m3 nachweisen. Im Mittel findet man in Gebäuden Konzentrationen von ca. 50 Bq/m3 und in der Außenluft (bodennah) zwischen 5 und 35 Bq/m3, im Mittel bei 14 Bq/m3.
  • Werden radonhaltige Grundwasserspeicher zur Trinkwasseraufbereitung genutzt, so gelangt das Radon mit der Wasserleitung ins Innere des Hauses und (beim Spülen, Waschen, Duschen) in die Innenraumluft. In der BRD liegt der Radongehalt des Trinkwassers im Mittel bei 5 Bq/l, in wenigen Einzelfällen bei über 100 bis max. 500 Bq/l.

Verhalten von Radon im Organismus

Radon ist als Edelgas sehr reaktionsträge und für den Organismus kein essentielles Element. Es ist im Wasser gut und in Lipoiden (Fetten) sehr gut löslich.

  • Es wird in relativ hohen Konzentrationen im Blut gelöst und gelangt über den Blutstrom in alle Teile des Organismus. Relativ zur Luftvolumenkonzentration finden sich im fettarmen Weichteilgewebe ein Drittel und im Körperfett sechsmal so hohe Konzentrationen.
  • Als Edelgas geht es im Organismus keine chemischen Verbindungen ein. Die biologische Halbwertszeit beträgt etwa 30 Minuten.
  • Als alpha-Strahler hat es einen ionisierenden Effekt. Wegen ihrer dichteren Energiedeposition verursacht alpha-Strahlung bei gleicher Energiedosis eine wesentlich höhere biologische Wirkung (Qualitätsfaktor 20) als z. B. Beta- oder Gamma-Strahlung (Qualitätsfaktor 1).

Begrenzung der Radon-Exposition

Zur Begrenzung der Lungendosis durch Radon und seine Zerfallsprodukte haben sowohl die internationale als auch die deutsche Strahlenschutzkommission (ICRP, SSK) aus Gründen der Vorsorge für drei Konzentrationsbereiche der Wohnraumluft Empfehlungen (Richtwerte) ausgesprochen:

  • Normalbereich: bis 250 Bq/m3: keine Maßnahmen erforderlich
  • Ermessensbereich: 250 - 1000 Bq/m3: häufiges und intensives Lüften, Abdichtung von Rissen, Fugen und Rohrdurchführungen
  • Sanierungsbereich: > 1000 Bq/m3: auch aufwendige Maßnahmen sind hinzunehmen
    > 15.000 Bq/m3 Sanierung schnellstmöglich, spätestens innerhalb eines Jahres durchführen

Radon-Bäder- (Balneo-)Therapie

Die Radon-Therapie wird als eine spezielle Form der Strahlentherapie mit niedrigen Dosen zur Behandlung gutartiger Erkrankungen angesehen. Typische Anwendungsformen von 222-Radon sind neben der Inhalationskur (Radon-Stollen) die Trinkkur und die Badekur (Wannenbäder).
Einige Krankheiten wie Erkrankungen des rheumatischen Formenkreises (Spondylitis ankylosans, rheumatoide Arthritis, degenerative Erkrankungen der Gliedmaßgelenke und der Wirbelsäule, bestimmte Formen des Weichteilrheumatismus) oder Hautkrankheiten (Psoriasis, Sklerodermie in ihrer generalisierten Form) werden aufgrund von Erfahrungswerten für eine Radontherapie als besonders geeignet angesehen.

Wirkung von Radon als Heilmittel

Im Jahresbericht 1995 des Bundesamtes für Strahlenschutz werden die strahlenbiologischen und medizinischen Aspekte von Radon als Heilmittel zusammengefasst. Unter Bezugnahme auf experimentelle Untersuchungen werden folgende Wirkungsmechanismen angegeben

  • Entzündungshemmung
  • Schmerzlinderung