Mobilfunk
In Deutschland gibt es weit über 60 Millionen Handy-Nutzer. Sollten vom Mobilfunk gesundheitliche Schäden ausgehen, beträfen die Folgen dieser neuen Technologie zahlreiche Menschen. Obwohl das Risiko nach derzeitigem wissenschaftlichen Kenntnisstand als eher gering eingeschätzt wird, besteht in Teilen der Bevölkerung die Furcht vor gesundheitlichen Schäden durch die Strahlen der Mobilfunksender, Handys, schnurlosen Telefone und drahtlose lokale Netzwerke (WLAN). Dies zeigen zahlreiche Anfragen an das Landesgesundheitsamt.
Die Liste der vermuteten gesundheitlichen Beschwerden reicht von Schlafstörungen, Migräne, Gedächtnisverlust und Morbus Alzheimer über Störungen der Bluthirnschranke, Änderung der Hirnaktivität, Beeinflussung der Hormonproduktion, Auswirkungen auf den Biorhythmus, negative Einflüsse auf Verhalten und Entwicklung von Kindern bis hin zu Impotenz, Schwächung des Immunsystems und Entstehung von Krebs. Die Ergebnisse hierzu aus wissenschaftlichen Untersuchungen sind nicht einheitlich und werden z. T. kontrovers diskutiert.
Thermische Wirkung
Eine der bekannten Wirkungen der hochfrequenten elektromagnetischen Strahlung auf Menschen ist die Umwandlung der im Organismus absorbierten Energie in Wärme (thermische Wirkung). Dies führt zu einer Erwärmung des ohrnahen Gewebes. Die Höhe der vom Gewebe absorbierten Energie ist dabei abhängig von der Sendeleistung und Frequenz und wird mit dem sogenannten SAR-Wert (spezifische Absorbtionsrate in Watt pro Kilogramm Körpermasse) angegeben. Die Grenzwerte der 26. Bundesimmissionsschutzverordnung (26.BImSchV) basieren auf diesen thermischen Effekten. Sie können mit modernen Handys sicher eingehalten werden.
Athermische Effekte
Weniger klar sind die Wirkungen, die nicht auf einer Energieumwandlung in Wärme beruhen. So können z. B. über amplitudenmodulierte Hochfrequenzfelder auch direkte Wirkungen auf Makromoleküle, Zellmembranen oder Zellorganellen induziert werden. Die gesundheitliche Bedeutung der beobachteten Effekte ist unklar, Forschungsbedarf besteht insbesondere im Bereich möglicher langfristiger Wirkungen. Der Stand der wissenschaftlichen Kenntnisse lässt sich so zusammenfassen, dass weder die veröffentlichten epidemiologischen Studien noch die Ergebnisse aus Laboruntersuchungen eine Basis bilden, um daraus über eine Risikobewertung der athermischen Effekte Grenzwerte ableiten zu können.
Zur Klärung des Sachverhaltes, ob ein Zusammenhang zwischen dem Benutzen von Handys und Tumoren des Kopf- und Halsbereiches besteht, führt die International Agency for Research on Cancer (IARC) der Weltgesundheitsorganisation (WHO) auf Empfehlung internationaler Kommissionen eine multizentrische Fall-Kontroll-Studie durch. Beteiligt sind neben Australien, Neuseeland, Kanada, Israel, den skandinavischen Ländern, Frankreich, Italien und Großbritannien auch drei Studienzentren in Deutschland.
Auf der Grundlage des gegenwärtigen Kenntnisstandes sieht das Landesgesundheitsamt keinen Anlass, die bestehenden Grenzwerte in Frage zu stellen. Werden die Werte eingehalten, so sind gesundheitsschädliche Wirkungen weder durch Mobilfunksender noch durch die Verwendung handelsüblicher Mobiltelefone zu erwarten. Unter Vorsorgegesichtspunkten wird wegen der noch offenen Fragen der Risikobeurteilung jedoch empfohlen, die Exposition der Bevölkerung mit elektromagnetischen Feldern aus Mobilfunkanlagen so weit zu begrenzen, wie dies mit einem vertretbaren Aufwand möglich ist.