Chemische Risiken
Aus natürlichen, gewerblichen, landwirtschaftlichen und industriellen Prozessen, aus Altlasten sowie durch Energiegewinnung, Verkehr und Siedlungsaktivitäten des Menschen gelangen ständig große Mengen verschiedenartigster chemischer Stoffe in die Umwelt. Aus direktem Kontakt mit kontaminierten Umweltmedien (Wasser, Luft, Boden, Staub) und Anreicherung in der Nahrungskette resultiert eine mehr oder weniger ausgeprägte Schadstoffbelastung, die je nach Stoff und Dosis geeignet sein kann, das Wohlbefinden zu beeinträchtigen oder die Gesundheit zu gefährden.
In Innenräumen, wo wir uns im Durchschnitt bis zu 22 Stunden täglich aufhalten, ist durch regelmäßige Freisetzung aus Baumaterialien, Anstrichstoffen und Holzschutzmitteln, Dichtungsmassen, Klebstoffen, Putz- und Reinigungsmitteln sowie Einrichtungs- und Bedarfsgegenständen eine chronische Belastung mit Weichmachern, Formaldehyd, ätherischen Ölen, Fungiziden, Insektiziden, Fleck-, Flammschutz-, Lösungs- und Desinfektionsmitteln möglich. Beim Kochen, Rauchen, Abbrennen von Kerzen sowie aus Öfen und Kaminen gelangen reizende und krebserzeugende Verbrennungsprodukte (z. B. Schwefel- und Stickoxide, Aldehyde, polyaromatische Kohlenwasserstoffe, Benzol) sowie Feinstäube in die Raumluft. Ebenso reichern sich unter Umständen aus der Bodenluft oder mit belastetem Trink- und Brauchwasser in Gebäude eindringende Schadstoffe (z. B. flüchtige Kohlenwasserstoffe aus Bodenaltlasten oder das radioaktive Edelgas Radon aus Felsuntergrund) in Innenräumen an.
Akute Gefährdungen der Bevölkerung sind durch Freisetzung von Schadstoffen oder hochgiftigen Chemikalien bei Bränden und Havarien, Transportunfällen oder bei Anschlägen mit chemischen Risikostoffen zu befürchten. Hier ist der öffentliche Gesundheitsdienst vor allem hinsichtlich Risikoabschätzungen, Vor- und Nachsorgemaßnahmen gefordert.