Ozon - gesundheitliche Auswirkungen
"Bodennahes" Ozon wird durch eine photochemische Reaktion - ausgelöst durch intensives Sonnenlicht in Gegenwart von Stickoxiden und flüchtigen Kohlenwasserstoffen (VOC) - in bodennahen Schichten gebildet. Quellen von Stickoxiden und VOC sind in erster Linie Autoabgase und industrielle Schadstoffemissionen. Die Schlüsselrolle bei der Entstehung des Ozons in Bodennähe kommt dem Stickstoffdioxid zu. Durch UV-Strahlung zerfällt es photolytisch zu Stickstoffmonoxid (NO) und atomarem Sauerstoff: NO2 --> NO + O. Dieses hochreaktive Sauerstoffatom verbindet sich sofort mit dem molekularen Sauerstoff der Luft zu Ozon: O2 + O --> O3. Ozon (O3) gilt als Leitsubstanz der Photooxidantien, d. h. äußerst reaktionsfähiger organisch-chemischer Substanzen, die sich unter dem Einfluss der Sonnenstrahlung bilden und auch rasch wieder zerfallen.
Wirkungen auf den Menschen
Die biologische Wirkung des Ozons wird durch seine extreme Reaktionsbereitschaft geprägt. Es entfaltet seine Wirkung fast ausschließlich am Auftreffort, also am Gewebe des Atemtraktes. Durch seine geringe Wasserlöslichkeit wird es in den oberen Atemwegen kaum zurückgehalten. Es dringt vermehrt in die Lungenperipherie und trifft dort auf Gewebe, das nicht durch eine Schleimschicht geschützt ist.
Innerhalb der Bevölkerung, also auch bei Säuglingen und Kindern, gibt es eine große Variationsbreite hinsichtlich der Wirkungen erhöhter Ozonkonzentrationen in der Luft. Etwa 10 % der Bevölkerung zeigt eine deutlich höhere Empfindlichkeit auf Ozon. Wesentlich ist außerdem die vom Körper aufgenommene Ozon-Menge, die von der Häufigkeit und Tiefe der Atemzüge und damit vom Ausmaß der körperlichen Aktivität abhängt. Bei vergleichbarer körperlicher Aktivität reagieren Kinder nicht wesentlich empfindlicher als Erwachsene.
Mögliche Beschwerden
Bei Personen, die sich an heißen Sommertagen im Freien aufhalten, können durch die Photooxidantien Augenreizungen auftreten. Als Symptome bei erhöhten Ozonbelastungen werden außerdem Reizung der Atemwege, Schmerzen beim tiefen Einatmen, Hustenreiz, Mattigkeit, Kopfschmerzen und Schwindelgefühl genannt. Vorübergehende Verschlechterungen der Lungenfunktion sind nach längerdauernder, meist mehrstündiger Anstrengung unter Ozoneinwirkung gemessen worden.
Gefährdung asthmakranker Personen?
Asthmakranke sind nicht grundsätzlich ozonempfindlicher als lungengesunde Personen. Bei bereits durch die Erkrankung verminderter Lungenfunktion sollte allerdings vorsichtshalber jede zusätzliche Belastung vermieden werden.
Wie können Eltern ihre Kinder schützen?
Grundsätzlich können Kinder bei allen in Baden-Württemberg gemessenen Ozonkonzentrationen im Freien spielen. Da erhöhte Ozonkonzentrationen nur bei starker Sonneneinstrahlung auftreten, empfiehlt es sich an heißen Tagen, schon zur Vermeidung von Sonnen- oder Hitzeschäden die Aktivitäten den klimatischen Verhältnissen anzupassen. Dadurch werden gleichzeitig auch die Ozonwirkungen ausreichend berücksichtigt.
Schulsport und Ozon
Der Sportunterricht sollte an heißen Tagen der erhöhten Kreislauf- und Ozonbelastung Rechnung tragen. Daher ist es angemessen, bei erhöhten Ozonkonzentrationen über 180 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft im Sportunterricht auf die Ausübung von Ausdauersportarten zu verzichten und auf besonders ozonempfindliche Schüler Rücksicht zu nehmen. Gegen kurzzeitige Anstrengungen ist aus gesundheitlicher Sicht nichts einzuwenden; der Sportunterricht braucht daher bei erhöhten Ozonwerten nicht auszufallen.
Informationen zu Ozonwerten
Die Europäische Gemeinschaft hat einen Schwellenwert zur Unterrichtung der Bevölkerung festgesetzt. Ab 180 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft als Ein-Stunden-Mittelwert wird über die Medien informiert. Personen, die besonders empfindlich auf Ozon reagieren, wird dann vorsorglich empfohlen, körperlich anstrengende Tätigkeit im Freien zu vermeiden; von besonderen sportlichen Ausdauerleistungen wird abgeraten. Bei über 360 Mikrogramm Ozon pro Kubikmeter wird diese Empfehlung auf die gesamte Bevölkerung ausgedehnt.