Baden-Württemberg

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ÖGD - Öffentlicher Gesundheitsdienst

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Q-Fieber-Erkrankungen

Erreger und Epidemiologie

Bei dem Erreger des Q-Fiebers, Coxiella burnetii,handelt es sich um ein unbewegliches, gramnegatives Stäbchenbakterium. Coxiella vermehrt sich intrazellulär in eukaryotischen Zellen und tritt in zwei Formen auf, größere vegetative und kleine, sehr resistente sporenförmige Dauerformen. Diese Dauerformen weisen eine hohe Resistenz gegenüber Austrocknung auf und ermöglichen es den Erregern, außerhalb des Organismus in Staub, auf Heu oder in Schafwolle monatelang zu überleben. Bei der Q-Fieber-Infektion handelt es sich um eine weltweite Zoonose mit einem außerordentlich großen Wirtsspektrum. Als Überträger fungieren Zecken. In unseren Breiten ist die Schafzecke (Dermacentor marginatus) der wichtigste Vektor. Die adulten Zecken treten in Deutschland in den Monaten März–April und August–September auf und befallen ihre Wirte – Wildtiere und Haustiere wie Schafe, Ziegen, Rinder, Katzen und Hunde. Die adulten Zecken geben in das Fell der Tiere Kot ab, der große Mengen an Coxiellen enthalten kann. Infizierte Tiere scheiden Coxiellen mit Kot, Urin, Milch und anderen Exkreten aus. Besonders hohe Keimzahlen enthalten die Fruchthäute von Aborten, wie sie besonders bei infizierten Schafen auftreten können. Die Übertragung erfolgt hauptsächlich durch Inhalation infektiösen Staubes oder durch direkten Kontakt zu infizierten Tieren. Coxiella burnetii ist hoch kontagiös; weniger als zehn Keime können zu einer humanen Q-Fieberinfektion führen.

Erkrankung

Die Inkubationszeit beträgt in der Regel zwei bis drei Wochen und ist abhängig von der Art der Exposition. Ca. 50 % der Q-Fieber-Infektionen verlaufen asymptomatisch oder mit nur milden grippeähnlichen Symptomen. Eine akute humane Q-Fieberinfektion verläuft unter dem Bild einer “Sommergrippe” mit hohem Fieber und Gliederschmerzen, als pathognomonisch gelten heftige, retroorbitale Kopfschmerzen. Im weiteren Verlauf kann eine atypische Pneumonie und/oder eine Hepatitis auftreten; seltener kommt es zu akuten Myo- und Perikarditiden. In etwa 1 % aller Infektionen entsteht eine chronische; der Erreger kann dabei in vielen Organen persistieren. Die schwerwiegendste Organmanifestation bei chronischen Verläufen ist die Q-Fieber-Endokarditis, die noch bis zu zehn Jahre nach der Primärinfektion auftreten kann.

Benennung des Landesgesundheitsamtes als Q-Fieber-Konsiliarlabor

Um für ein möglichst breites Spektrum von Krankheitserregern fachliche Kompetenz bereitzustellen, erfolgte ab 1996 in Ergänzung zu den Nationalen Referenzzentren die Benennung von Konsiliarlabors zu weiteren Infektionserregern von besonderer infektiologischer und infektionsepidemiologischer Bedeutung. Konsilliarlabors werden mit der Unterstützung und in Abstimmung mit den relevanten medizinisch-wissenschaftlichen Fachgesellschaften ausgewählt und durch den Präsidenten des Robert Koch-Instituts für einen Zeitraum von drei Jahren benannt. Die Anforderungen an ein Konsiliarlabor sind neben der fachlichen Beratung zu Fragen der Diagnostik, der Epidemiologie und der Infektionsprävention Arbeiten im Rahmen der Qualitätssicherung, Weiter- oder Neuentwicklung diagnostischer Verfahren, die Mitwirkung bei der epidemiologischen Bewertung der Situation spezieller Erreger und die Mitwirkung und Beratung des Robert Koch-Instituts bei der Erarbeitung wissenschaftlicher Materialien.
Aufgrund der speziellen Aktivitäten des Landesgesundheitsamtes (LGA) bezüglich Epidemiologie und Diagnostik von Q-Fieber-Infektionen erfolgte die Benennung des LGA im Oktober 2002 als Konsiliarlabor.

Untersuchungen

Im LGA wird seit vielen Jahren die serologische Diagnostik auf humane Q-Fieberinfektionen durchgeführt.Für die sehr anspruchsvolle Interpretation der Befunde bei der Abklärung chronischer Infektionen ist eine große Erfahrung in der Q-Fieberdiagnostik erforderlich. Diese wurde im LGA durch die Aufklärung von mehreren Q-Fieber-Epidemien in Baden-Württemberg mit insgesamt ca. 200 Erkrankten erworben.
Durch die Etablierung des molekularbiologischen Nachweises (in Kooperation mit der CVUA-Stuttgart) von Coxiellen aus Schafzecken und anderen Materialien konnte das diagnostische Spektrum im LGA um weitere wichtige Verfahren erweitert werden.

Weiterführende Informationen

  1. Informationen und Falldefinitionen des Robert Koch-Instituts  
  2. Q fever during pregnancy
  1. Erforderliche Maßnahmen beim Auftreten von humanen Q-Fieber-Epidemien (PDF; 256 KB)
  2. Q-Fieber - Hygienische Maßnahmen in der Klinik. Mikrobiologische Grundlagen (PDF; 107 KB)   
Weitere Links