Blutübertragene Infektionen
Zahlreiche Infektionen werden durch Blut übertragen. Hierbei sind vor allem die auch in Deutschland relevanten folgenden Viruserkrankungen zu nennen:
Hepatitis B
Die größte Übertragungsgefahr besteht bei Hepatitis B, da die Viruslast (Zahl der Viren im Blut) bis zu 100 Mio/ml betragen kann. Die Hepatitis B heilt in der Regel aus, in 5 - 10 % (bei Kleinkindern in 50 %) der Fälle kommt es jedoch zu einem chronischen Verlauf. Dabei zirkulieren die Viren lebenslang im Blut.
Hepatitis C
Das Hepatitis C-Virus wurde erst vor wenigen Jahren mit Hilfe molekularbiologischer Methoden identifiziert. Dadurch konnte ein erheblicher Teil der bis dahin bei Bluttransfusionen außergewöhnlich häufigen Hepatitis-Erkrankungen (sog. Non-A-Non-B Hepatitiden) als Hepatitis C-Virus-Infektionen diagnostiziert werden. Die Hepatitis C verläuft in der Regel milder als die Hepatitis B, wird aber sehr häufig (80 %) chronisch und kann in einer Leberzirrhose enden. Das Blut von Patienten mit chronischer Hepatitis C bleibt lebenslang infektiös. 0,2 bis 1,5 % der Normalbevölkerung sind Träger des Hepatitis C-Virus.
HIV-Infektionen
HIV-Infektionen werden durch das HIV (Human Immunodeficiency Virus) verursacht. Dabei wird die virale Erbsubstanz in das menschliche Genom eingebaut. Deshalb kann eine einmal eingetretene Infektion nicht ausheilen und verläuft immer chronisch. In ihrem Verlauf nimmt die Zahl einer bestimmten, für die Immunabwehr elementar wichtigen Lymphozytengruppe kontinuierlich ab, bis es zum Krankheitsbild des erworbenen Immun-Defekt-Syndroms kommt. In dem Untersuchungsgut des Landesgesundheitsamtes, das zu einem hohen Teil aus Blutproben von Risikogruppen besteht, liegt der Anteil der HIV-Positiven seit Jahren bei 1 %. Bei der Normalbevölkerung liegt der Prozentsatz der positiven Proben wesentlich niedriger.
Wie ist die Infektionsgefahr zu beurteilen?
Die Infektionsgefahr durch die genannten Viren ist sehr unterschiedlich. Bei Stichverletzungen mit kontaminierten Nadeln ist von folgenden Übertragungswahrscheinlichkeiten auszugehen:
- 25 % für das Hepatitis B-Virus
- 5 bis 10 % für das Hepatitis C-Virus
- 0,5 % für HIV
Dies ist bei der Beurteilung der Infektionsgefahr z. B. bei infizierten Kindern in der Schule oder im Kindergarten, in zahnärztlichen Praxen, bei Tätigkeiten infizierter Ärzte oder im Lebensmittelbereich zu berücksichtigen. Prophylaktische Maßnahmen, z. B. das Tragen von Handschuhen beim Umgang mit Blut oder Serum Infizierter oder die Verwendung eines geeigneten Desinfektionsmittels, sind in jedem Fall erforderlich.