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ÖGD - Öffentlicher Gesundheitsdienst

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Hauterkrankungen im Beruf

  1. Abnutzungs-Ekzem
  2. Allergisches Kontaktekzem
  3. Pigmentveränderungen
  4. Lichtdermatosen
  5. Hautkrebs
  6. Berufsakne
  7. Hautinfektionen
  8. Gefäßveränderungen
  9. Vorbeugung

Hauterkrankungen gehören zu den häufigsten Berufskrankheiten. Fast ein Viertel der gemeldeten Berufskrankheiten sind subtoxisch- kumulative oder allergische Kontaktekzeme. Auf folgende 5 Berufe entfielen 1999 79 % der Berufskrankheits-Meldungen:

Abbildung 1: Auftreten beruflicher Hauterkrankungen in verschiedenen Berufen 

Balkendiagramm Berufsgruppen

Entstehung eines Abnutzungs-Ekzems (toxisch-degeneratives Ekzem, subtoxisch-kumulatives Ekzem)

Berufskrankheiten der Haut beginnen meist mit einer Vorschädigung der Haut durch

  • Aufquellen der Haut (Arbeiten im feuchten Milieu)
  • Entfettung der Haut (Verwendung von Shampoos, Seifen, Reinigern oder Lösemitteln)
  • Kontakt mit Säuren, Laugen oder anderen hautschädigenden Berufsstoffen

Besonders an Stellen mit dünner Haut, wie dem Bereich um die Nägel, den Schwimmhäuten, den Handrücken und den Unterarmen wird zunächst der körpereigene Fett-Wasser-Film entfernt, der wegen seines pH-Wertes von 5,5 auch als Säureschutzmantel der Haut bezeichnet wird. Danach werden Strukturlipide aus tieferen Schichten der Oberhaut herausgelöst.

Abbildung 2: Entstehen von Hautkrankheiten im Beruf; Quelle BGW

Bild 1:
Säureschutzmantel an Oberfläche teilweise aufgelöst (weiß),
Strukturlipide zwischen Hornschuppen an der Hautoberfläche teilweise entfernt,
Eindringen von Schadstoffen (schwarze Pfeile)

Bild 2:
Säureschutzmantel zerstört,
Strukturlipide entfernt, z. T. auch zwischen den leben-den Zellen (lila), Eindringen von Schadstoffen ins lebende Gewebe, Aufnahme der Schadstoffe, die als fremd erkannt werden (Antigen, Allergen) durch Fresszellen (grün)

Bild 3:
Fresszellen (grün) wandern mit dem aufgenommenen Allergen in die Lymphbahnen. Im Lymphknoten werden Abwehrzellen bzw. Antikörper gegen das Allergen (Allergen) gebildet. Es entsteht eine Allergie.

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Entstehung eines allergischen Kontakt-Ekzems/einer Protein-Kontakt-Dermatitis

Stoffe aus der Berufsumwelt können tiefer in die geschädigte Haut eindringen. Hier werden sie von Fresszellen (Langerhanszellen) erwartet, die an der Grenze der Oberhaut entlang patrouillieren. Sie erkennen die eingedrungenen Stoffe (Allergene) als körperfremd und leiten eine spezielle Abwehrreaktion gegen diese Stoffe ein. Es kommt entweder zur Bildung von speziellen Antikörpern gegen das Allergen (Allergie vom Typ I nach COOMBS und GELL) oder von speziell gegen das Antigen gerichteten Effektorzellen (Killer-T-Lymphocyten) (Allergie vom Typ 4 nach COOMBS und GELL).

Wenn das Allergen das nächste Mal auf die Haut auftrifft, findet dort eine spezielle Abwehrreaktion statt. Es entsteht an der Kontaktstelle nach 1 bis 3 Tagen (Typ IV-Allergie, allergisches Kontakt-Ekzem) oder nach 1 bis 30 Minuten (Typ-I-Allergie, Protein-Kontaktdermatitis, Nesselfieber) eine Entzündung der Haut. Bei Kontakt-Ekzem und Protein-Kontaktdermatitis findet man neben der Hautrötung mit Juckreiz noch Bläschen und Papeln, später auch Hautverdickung, Schuppen, Schrunden und eventuell Pusteln. Das Ekzem kann auf weitere Körperstellen streuen.

Pigmentveränderungen

Bei der sog. Weißflecken-Krankheit    

  1. Vitiligo

entstehen an Kontaktstellen zu Berufschemikalien weiße Flecken. Sie werden durch immunologische Phänomene hervorgerufen, die sich gegen Melanocyten richten. Diese Pigmentzellen stellen die Melaninproduktion ein. Ursache sind meist Chemikalien auf Phenolbasis.

Hyperpigmentierungen durch Berufsstoffe können als Folge von Hautentzündungen entstehen. Auslösend können z.B. Teere, Peche und Öle sein, aber auch die Einwirkung von Röntgenstrahlen (Radioderm). Blei, Arsen, Quecksilber und Silber können sich in der Haut ablagern und zu Hautverfärbungen führen.

Lichtdermatosen

Lichteinwirkung kann zu Hautentzündungen führen. Neben dem Sonnenbrand beobachtet man phototoxische Reaktionen (Teer, Flavine) und photoallergische Reaktionen (z.B. Reaktion auf Beruhigungsmittel in Schweinefutter, Sonnenschutzmittel).

Hautkrebs (Spinaliom, Basaliom) und Präcancerosen

Bei Kontakt mit krebserzeugenden Arbeitsstoffen wie z.B. Teer, Arsen u.ä., bei Einwirkung von ionisierenden Strahlen (z.B. Röntgenstrahlen), sowie ausgeprägter Exposition gegenüber ultraviolettem Licht können berufsbedingte Fälle von Hautkrebs auftreten.

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Berufsakne

Bei Kontakt mit Öl, Teer und bestimmten Organochlor-Verbindungen (PCB, chlorierte Dioxine) kann es zu Akne-artigen Krankheitsbildern kommen (Öl-Akne, Teer-Akne, Chlor-Akne usw.).

Hautinfektionen

Krankheitserreger wie Milben, Hautpilze, Bakterien und Viren können infektiöse Hauterkrankungen hervorrufen.

Gefäßerkrankungen

Am bekanntesten ist das Raynaud-Syndrom, das durch lang dauernde Vibrationen in Zusammenhang mit Kälte ausgelöst werden kann (z.B. Motorsägen). In diesem Zusammenhang kommen bei Kälteeinwirkung auch Akrocyanosen und Frostbeulen (Perniones) vor.

Vorbeugung

Viele Hautkrankheiten im Beruf lassen sich durch konsequenten Arbeitsschutz verhindern. Der Staatliche Gewerbearzt sieht es deshalb als eine seiner wichtigsten Aufgaben an, durch Kontrollen, Beratung und Fortbildungen die Zahl der berufsbedingten Hauterkrankungen zu vermindern.

Geprüft werden müssen folgende Eingriffsmöglichkeiten am Arbeitsplatz:

  • Ersatz von hautschädigenden und allergenen Stoffen
  • Automatisation
  • Verbesserte Hygiene am Arbeitsplatz, verbesserte Arbeitsorganisation
  • Absaugung bei aerogen ausgelösten Allergien (z.B. bei Umgang mit Kunstharzen)
  • Gebrauch von Applikatoren
  • Schutzhandschuhe, die gegen den Schadstoff dicht sind
  • Schonende Hautreinigung, Hautschutz, Hautpflege

Weiterführende Informationen

  1. Epoxidharze am Bau: Projektbericht der hessischen Arbeitsschutzverwaltung