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ÖGD - Öffentlicher Gesundheitsdienst

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Atemwegserkrankungen

Berufsbedingte Atemwegs- und Lungenkrankheiten

Grafik mit Darstellung der Atemwege


Im gesamten Krankheitsspektrum sind Krankheiten der Atemwege in Deutschland häufig. Auch als berufsbedingte Krankheiten treten sie verhältnismäßig häufig auf. Die Atemwege sind der wichtigste Aufnahmepfad für Gefahrstoffe in der Luft am Arbeitsplatz. Die Schleimhaut des Nasen-Rachen-Raumes, die Bronchialschleimhaut und die Lungenbläschen (Alveolen) sind diejenigen Teile des Körpers, die zuallererst mit einem gesundheitsschädlichen Stoff in der Atemluft Kontakt haben.

Die Wirkungen eingeatmeter Stoffe sind sehr verschieden. Es lassen sich grundsätzlich einige krankheitsverursachende Mechanismen unterscheiden:

  • Infektionen mit Krankheitserregern (Viren, Bakterien, Pilze, Parasiten)
  • Toxische Reaktionen (deterministische Wirkung mit Dosis-Wirkungs-Beziehung oder stochastische Wirkung mit Dosis-Risiko-Beziehung [bei krebserzeugenden Stoffen])
  • Allergische Reaktionen (überschießende pathologisch-immunologische Abwehrreaktionen)
  • Entzündungsreaktionen (Fibrosierung) auf eingeatmete anorganische Stäube

Atemwegs-Infektionen: Erkrankungen an Lungen-Tuberkulose werden immer wieder als berufsbedingt anerkannt. Für Lungen-Tuberkulose besteht ein erhöhtes Infektionsrisiko in medizinischen Pflegeberufen, in der Pathologie oder in der Leichenbestattung. Durch berufliche Tätigkeit beim Geflügeltransport, der Geflügelzucht und -schlachtung sowie durch Einatmen von Taubenkot-haltigem Staub kann es zu Psittakoseerkrankungen kommen.

Für toxisch bedingte Atemwegskrankheiten gibt es keine typischen Berufe mit deutlich erhöhtem Erkrankungsrisiko. Überall, wo über lange Zeit oder in hohen Konzentrationen toxische oder die Schleimhaut reizende Stoffe in der Atemluft auftreten, besteht eine Gefährdung. Dies können leicht- oder schwerflüchtige organische oder anorganische Stoffe sein. Sie können akute oder schleichend beginnende chronische Krankheiten hervorrufen, die reversibel sind. Insbesondere bei lang andauernder oder wiederholter Einwirkung können die toxisch bedingten Atemwegserkrankungen auch irreversibel werden.

Die Folgen solcher Einwirkungen sind Husten, Auswurf, Einschränkungen der Lungenfunktion mit Obstruktion und Atemnot bei Belastung. Komplikationen sind Emphysem oder cor pulmonale. Bronchopneumonien können gehäuft auftreten. Eine außerberuflich erworbene Atemwegskrankheit (z.B. chronische Bronchitis durch Zigarettenrauchen) ist ein besonderer Risikofaktor für Beschäftigte an Arbeitsplätzen mit Schadstoff-Einwirkungen. Hier kann es zu einer Verschlimmerung der Krankheit kommen.

Allergische Atemwegskrankheiten sind Erkrankungen der Atemwege, die nach Sensibilisierung gegen ein Allergen auftreten (allergische Bindehautentzündung, allergischer Schnupfen, Asthma bronchiale). Risikoberufe für solche Krankheiten sind Landwirte, Gärtner, Bäcker, wohingegen wesentlich seltener Lackierer, Schreiner und Friseure betroffen sind. Oft kommt es zunächst zu toxisch bedingten Schädigungen der Bronchialschleimhaut durch chemische Irritanzien, Staub oder Bestandteile von Milben und Mikroorganismen. Danach kann sich ein allergisches Asthma gegen die Berufsstoffe entwickeln.

Besteht ein exogen allergisches Asthma, so ist ein Ersatz von allergenen Berufsstoffen durch weniger allergene am sinnvollsten. Es ist auch hilfreich, Allergen-haltige Stoffe nicht in Staubform, sondern granuliert, als Paste oder Lösung zu verwenden. Mit Sauberkeit, Absaugung und Zuluft am Arbeitsplatz lässt es sich oftmals erreichen, dass der Allergiker seinen Beruf am gleichen Arbeitsplatz weiterhin ausüben kann.

Durch lang andauerndes Einatmen von anorganischen Stäuben (die beispielsweise Silikat, Kohle, Asbest oder Beryllium enthalten) kann sich eine diffuse interstitielle Entzündung mit nachfolgender Fibrosierung (Vernarbung) entwickeln. Der zugrunde liegende pathophysiologische Prozess ist im Einzelnen verschieden; als Folge der Schrumpfungsvorgänge in der Lunge kommt es zur Entwicklung einer respiratorischen Insuffizienz. Der Fibrosierungs-Vorgang kann nach Ende der Schadstoffexposition noch über Jahre fortschreiten und die Lungenfunktion weiter einschränken.

Durch Kohlestaub kann es in Folge Überlastung der Reinigungs-Mechanismen der Atemwege zu einer entzündungsbedingten Veränderung der Schleimhaut in den Bronchien und Alveolen kommen, die zu einer chronischen obstruktiven Bronchitis führt.

Die Spätfolgen dieser Prozesse können, wie bei den toxischen Atemwegserkrankungen, Emphysem und cor pulmonale sein.

Weiterführende Informationen

  1. BAUA-Homepage: TRGS/TRBA 406: Sensibilisierende Stoffe für die Atemwege