Collaborating Centre für Wohnen und Gesundheit der Weltgesundheitsorganisation (WHO) am Landesgesundheitsamt Baden-Württemberg eingerichtet
Datum: 28.03.2007
Behörde: Pressemitteilung des Regierungspräsidiums Stuttgart
Symposium weist auf zunehmende Bedeutung gesunder Wohnbedingungen hin
Gesundheitsministerin Dr. Monika Stolz und Regierungspräsident Dr. Udo Andriof: „Gesundes Wohnen ist wichtiges Zukunftsthema“
Anlässlich seiner Ernennung zum Collaborating Centre für Wohnen und Gesundheit durch die Weltgesundheitsorganisation (WHO) veranstaltete das Landesgesundheitsamt Baden-Württemberg (Abteilung 9 des Regierungspräsidiums Stuttgart) am 28. März ein Symposium zum Thema „Wohnqualität und Gesundheit“. Luftqualität in Wohnräumen, zukünftige Wohnformen und Lärm in Wohnungen standen dabei im Mittelpunkt der Veranstaltung. Sowohl Gesundheitsministerin Dr. Monika Stolz als auch Regierungspräsident Dr. Udo Andriof betonten in ihren Grußworten die Notwendigkeit, sich mit dem Thema des gesunden Wohnens vor dem Hintergrund der demographischen Entwicklung und der Klimaveränderungen künftig noch intensiver als zuvor zu beschäftigen. „Um den zukünftigen Anforderungen gerecht werden zu können, ist eine fachübergreifende Zusammenarbeit insbesondere zwischen Umweltmedizinern, Architekten und Baufachleuten notwendig“, erklärte Regierungspräsident Dr. Udo Andriof bei der Eröffnung des Symposiums. Gesundheitsministerin Stolz wies in ihrem Grußwort darauf hin, dass „die Information
und Beratung der Bürger über die Zusammenhänge zwischen Wohnen und Gesundheit eine wichtige Aufgabe für den öffentlichen Gesundheitsdienst darstellen.“ Die Ernennung des Landesgesundheitsamtes zum Collaborating Centre für Wohnen und Gesundheit durch die Weltgesundheitsorganisation sei Ausdruck der Kompetenz, die sich das Landesgesundheitsamt BW auf diesem Gebiet erworben habe, stellten sowohl die Ministerin als auch der Regierungspräsident übereinstimmend fest. Das Landesgesundheitsamt BW war Ende Dezember 2006 zum Collaborating Centre für Wohnen und Gesundheit ernannt worden. Wie der Leiter des Landesgesundheitsamtes BW, Dr. Günter Schmolz, betonte, kann es dabei vor allem auf seine Erfahrungen im Projekt „Beobachtungsgesundheitsämter“ aufbauen. In diesem Projekt werden seit über zehn Jahren in enger Zusammenarbeit mit einzelnen Gesundheitsämtern in Baden-Württemberg auch wohnraumbezogene Untersuchungen durchgeführt. Als Beispiel nannte Schmolz Untersuchungen von Schulkindern zur Aufnahme von Flammschutzmitteln oder Weichmachern, die unter anderem bei der Wohnausstattung und bei Einrichtungsgegenständen Verwendung finden, oder Untersuchungen zu Allergien, die mit Hausstaubmilben, Tierhaaren oder Schimmelpilzen in der Wohnung in Verbindung gebracht werden. Als Collaboration Centre arbeitet das Landesgesundheitsamt eng mit dem Bonner Büro des Europäischen Zentrums für Umwelt und Gesundheit der WHO zusammen, bei dem der Bereich „Wohnen und Gesundheit“ einen Arbeitsschwerpunkt bildet. Zu den Aufgaben des Collaborating Centers gehört die Sichtung und Auswertung der relevanten Fachliteratur im Bereich Wohnen und Gesundheit und die Informationsvermittlung für Interessenten im wissenschaftlichen Bereich, in der Verwaltung, in der Wirtschaft und in der Öffentlichkeit. Auch die Durchführung von Fortbildungsveranstaltungen und Workshops ist eine wichtige Aufgabe des Collaborating Centers. Darüber hinaus führt das Landesgesundheitsamt auch eigene Untersuchungen zum Zusammenhang von Wohnen und Gesundheit durch. So wird gegenwärtig in einer Studie untersucht, ob Kinder, die in lärmbelasteter Umgebung wohnen, stärkere Stressreaktionen zeigen als Kinder aus ruhigen Wohngegenden. Weitere Informationen zu diesem Thema sind unter
www.gesundheitsamt-bw.de zu erhalten.
Das Landesgesundheitsamt (jetzt Abteilung 9 im Regierungspräsidium Stuttgart) hat sich seit seiner Gründung im Jahr 1991im Rahmen des umweltbezogenen Gesundheitsschutzes mit Fragen der Wohnungshygiene beschäftigt und die Gesundheitsämter in Baden-Württemberg hierzu beraten. Wichtige Erkenntnisse aus dem Bereich Wohnen und Gesundheit kamen dabei aus den Untersuchungen im Projekt Beobachtungsgesundheitsämter, die seit 1992 vom Landesgesundheitsamt zusammen mit einzelnen Gesundheitsämtern in Baden-Württemberg durchgeführt werden. Beispiele sind die Untersuchung zur Belastung von Wohnungen mit Schimmelpilzen und Hausstaubmilben, Messungen von Feinstaub in Wohnungen oder etwa die gegenwärtig laufende Studie zum Einfluss des Umgebungslärms in Wohngebieten auf die Gesundheit von Kindern.
Ende 2006 wurde das Landesgesundheitsamtes zum „Collaborating Centre“ durch die Weltgesundheitsorganisation (WHO) für den Themenkreis Wohnen und Gesundheit ernannt. Zu den Aufgaben des „WHO-Collaborating Centre for Housing and Health“ gehört die Zusammenstellung und Auswertung wissenschaftlicher Informationen zum Thema „Wohnen und Gesundheit“. Neben der Bereitstellung dieser Informationen für Interessenten aus Forschung, Wirtschaft und Verwaltung wird das Landesgesundheitsamt auch seine Untersuchungen weiterführen, z. B. zum Einfluss von chemischen oder biologischen Innenraumschadstoffen, zum Einfluss von Verkehrs- und Nachbarschaftslärm und zu häuslichen Unfällen. Eine wichtige Aufgabe des Collaborating Centre ist außerdem die Durchführung von fachübergreifenden Workshops und anderen Fortbildungsveranstaltungen auf dem Gebiet „Wohnen und Gesundheit“. Zur Unterstützung des WHO-Programms „Wohnen und Gesundheit“ wird das Landesgesundheitsamt auch Fachdokumente, Leitfäden, Empfehlungen u. ä. übersetzen und über das Internet der Öffentlichkeit zur Verfügung stellen.
Für die Zukunft stellen sich durch den Klimawandel und die damit verbundenen Vorgaben zur Energieeinsparung neue Anforderungen an das Wohnen. Außerdem gewinnt das barrierefreie Wohnen durch die sich ändernde Altersstruktur der Bevölkerung immer mehr an Bedeutung. Die Zusammenhänge zwischen Wohnen und Gesundheit müssen daher frühzeitig untersucht und ihre Ergebnisse bei den Anforderungen z. B. im Wohnungsbau und in der Gesundheitsprävention berücksichtigt werden. Daher ist es ein zentrales Anliegen des WHO-Collaborating Centers, die verschiedenen Experten aus den Bereichen Medizin, Architektur und Bauphysik näher zusammen zu bringen. Durch die gegenseitige Information und das Gespräch über fachliche Grenzen hinweg wollen wir dazu beitragen, dass hier gemeinsame Lösungen für die Zukunft gefunden werden.
Symposium „Wohnqualität und Gesundheit“ am 28. März im Regierungspräsidium Stuttgart aus Anlass der Ernennung des Landesgesundheitsamtes zum WHO-Collaboration Centre for Housing and Health.